Ich bete zu Gott

Also jetzt nicht, dass ab morgen die Menschheit durch Brauner Bär ersetzt wird, sondern „Ich…bete…zu…Gott“.

Und ich sehe die Fackeln wütend brennen, wütend marodierend über Köpfe die nur auf ihren Unterabschnitt warten. Schreiend, geifernd spuckend und hinten links kotzt ein rostiger Nagel aufs Parkett neben einer Tattoo Frau. Und ich komme in Erklärungsnotstand, da ich kein Tattoo hab‘. Noch nicht mal ein Genitalpircing, noch nicht mal ein Brett vor dem Kopf.

Und vorne rechts, der Wutbürger aus Düsseldorfer mit der längsten Theke der Welt unter dem theoretischen Sixpäck schreit „Verbrennt die Hexe“ und ich schreie „FALSCHER ARTIKEL!!“ und er so „ICH HEIßE MEIER“.

Und während ich eine Kerze anzünde, für die liebenden Menschen in meinem Umfeld bete und um die Vergebung meiner Schuld bitte, hält mir ein Mischgewebe eine Vuvuzella ans linke Ohr und trötet „SCHULDEN!!“.

Nicht nur das alte Testament riecht jetzt nach Anachronismus, auch die Erfolgsstorys meiner genetischen Mitmenschen. Wenn Autos auf Frauen auf Jobs auf Häuser und auf große Fresse treffen. Während mich also die versammelte Entourage anschaut wie diese Kotzfressen-Gummipuppen, die man eindrückt während die Augen 1 Meter aus dem Körper herausstieren, denke ich an

Lukas 23:34 „Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen sie wissen nicht, was sie tun!“. Und ich denke „Lukas du alte Kackbratze, fällt mir schwerer als aus Stahlbeton Zuckerstangen zu transformieren.“

Und bei diesem ganzen Wirrwarr, der eigentlich keine eigene Einstellung zur eigenen Meinung mehr duldet, weil wir so gehirngewaschen durchs Leben schreiten und selbstverständlich auf alle nicht zu beantwortbaren Fragen antworten ‚kausalieren‘, atme ich diesen Geruch von Weihrauch, Stille und altem Fundament.

Ich atme die Welt ein und atme mich aus, im Kammerton. Und je lauter der Mob der Wutbürger ans Gemäuer klatscht, umso weniger Wert wird ihre Wut gegen jeglichen Glauben denn, Treue, Höflichkeit, Respekt, Demut, Bescheidenheit haben wir schon abgeschworren. Wir haben uns längst selbst in der Nichtigkeit des Alltags verrannt.

Wir sind wie Botox- und Schönheitsoperationsfressen und schauen in den Spiegel und jemand anderes schaut zurück. Wir hatten diese ganzen Soft- und Hardskillz bei unserer Geburt und sind jetzt der bescheidene Teil einer enttäuschten Zivilgesellschaft, die Lebenskultur mit Job verwechselt, Nächstenliebe mit Egoismus, Höflichkeit mit Plumpheit, Treue mit Betrug, Demut mit Arroganz, Achtsamkeit mit rüde.

Wir sind nicht mehr das Gesundheit auf einen Niesser, wir sind nur noch der Stiefel für einen Kopf auf einer namenlosen Straße und weinen uns in den Schlaf, obwohl wir alles haben was wir nicht brauchen und nichts was wir wirklich bräuchten.

Da wir alles besser wissen kann es keinen Gott, keine Heilungskraft, keine Selbstlosigkeit mehr geben oder zumindest gibt’s dafür keine Dividende. Niemand zahlt in Lebensjahren für guten Benimm und Treue. Jeder zahlt für Herzlosigkeit, Feigheit, Frechheit, Respektlosigkeit, Untreue.

Alles geht, alles geht den Bach runter und niemand stoppt dieses Tempo der gebrochenen geknickten,abgeknickten Herzen. Es wird zur Pandemie, zum 30jährigen Krieg ohne Teilzeitopfer, zum Flatrate Genickschuss und alle so „Spring Break“.

Und obwohl alle merken, dass sie wie Wachkomma-Lemminge nur einen fußbreit von einer Steilklippe entfernt sind, käme es ihnen nicht in den Sinn, endlich wieder auszuatmen, aus!

 

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