Wie die Lüge uns vergiftet

Dieser Blick, diese Unsicherheit, dieser Griff an die Nase, ans Ohr, das rotwerden, das nästeln an den Fingerkuppen, diese verlegenen Augen schweifend abschweifend ausschweifend wegschweifend.

Das ist der gute Part, der böse ist

“Ich liebe Dich“

Glasklar, keine Fehlhaltungen, keine Bewegung zuviel oder zuwenig, kein zucken der Mundpartie, keine falsche Mikrobewegung, keine Unsicherheit, kein verlegener Blick…

Ein “Ich liebe Dich“ so wahr und doch so falsch. Du spürst fühlst es, dass nichts stimmt nichts, aber es gibt kein Anzeichen außer deinem Bauch, dem du wieder nicht vertraust.

Die Lüge kann dir alles nehmen. Alles. Dein Selbstwert, deine gefühlte Menschenkenntnis, dein Vertrauen, deine Achtung, deine Liebe, deine Kraft, deine Kreativität, es kann dich wie ein ausgebranntes Haus zurücklassen. Es kann dich mit nichts zurücklassen.

Die Lüge ist Schutzfunktion und fehlender Respekt. Sie ist eine Ausrede, sie ist eine Option einer echten Realität und sehr selten ist sie zweckdienlich. Sie zeigt mit dem Finger auf dich und sagt “Du bist falsch“ und lacht sich ins Fäustchen weil du glaubst “Du bist falsch“. Sie schreit dich an, läßt dich verstummen, läßt dich aushalten, treibt dich zum Mord, zum Selbstmord, treibt dich in die Psychiatrie und im schlimmsten Fall bist du immer der Täter, für dich, für andere.

Perfekte Lügner könne dir alles nehmen, ohne selbst Schaden zu nehmen. Eine Welt voller Psychopathen, Soziopathen, Narzissten? Und du glaubst alles wird gut, wird besser, wie früher und verklärst das Hier, das Jetzt.

Gefangen im Malstrom der Hoffnung. Das gelebte Gefängnis, ohne Fenster und Türen.

Es wird sich ändern, gleich, später, morgen, irgendwann…

Er wird sich ändern, gleich, später, morgen, irgendwann…

Schmerz, Hoffnung, Trost, Hoffnung, Schmerz, Trost, Trost, Hoffnung, Schmerz, Schmerz, Schmerz, Schmerz…

Augenränder, Alkohol, Koks, Tränen, Verzweiflung, zerbrochene Teller, Tassen, zerbrochene Herzen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, aushalten, morgen wird alles besser, nächstes Jahr sicherlich. Magersucht, Liebessucht, ritzen, Kopf gegen durch die Wand, Tränen, Wut, Verzweiflung, Angst, Trauer, Zerstörung…

..und nur einen Schritt entfernt, nur einen Schritt entfernt, ein kleiner Schritt aus diesem toten…alten…abgebrannten Haus…

geh!

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4 Gedanken zu “Wie die Lüge uns vergiftet

  1. Aber eines bleibt doch immer und macht jede Lüge kleiner und unbedeutender im eigenen Sein.. sofern man selbst natürlich den Weg der Ehrlichkeit geht… Ein steiniger Weg, den man manchmal zu gerne verließe, wüsste man nicht, was sie einem selbst schon getan haben… Konjunktiv mäßig..

    Und das ist der Glaube daran, dass alles gut wird, glaube ich. Dass wir nur sterben lernen müssen und mehr nicht. Diejenigen, die mit ihren Lügen durchs Leben spazieren, lieben nicht. Sich selbst am wenigsten. Aber es bleibt eine berechtigte Frage, wie man den Schmerz und die Erfahrung, das geschriebene Programm im Kopf wieder debuggt… Mit Vertrauen glaub ich. Man sollte ein Anti Vergleichsvirus Programm ins Hirn schreiben. Muss aber bei jeder neuen Begegnung geupdated werden.. Kann ja nicht alles so einfach sein wie sterben.

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    • Wunderbar geschrieben.

      Selbstverständlich ist der Kampf gegen dieses schwache Schwert zäh, ermüdend.

      Unfair auch, wenn jemand mit Bomben auf Spatzen schießt. Die Lösung kann jedoch nicht die Anpassung an verlorene Werte der Anderen sein.

      Ich zum Beispiel bin nie mit Handy unterwegs, nehme mir für mein gegenüber Zeit, alleine. Sehr wohl ist dies auch aus der Zeit gefallen. Nutze keine Emoticons.

      Es sind die vielen Windmühlen auf der Geisterautobahn, aber es gibt immer eine, die in deine Richtung ‚windet‘.

      Gefällt 1 Person

      • Aber der Mensch ist Gewohnheitstier. Fluch und Segen. Beim Kampf um gute Werte Segen.

        Ach ja Telefonie, die eigene Welt, Traumwunschwelt Misstrauenspotential, wenn nicht der Gott der absoluten Lüge, Notlüge, Wunschlüge, Wortlüge. Ist glaube ein viel weiteres Feld als Worte zu greifen imstande sind. Bei mir ebenso wenig Teil zwischenmenschlicher Kommunikation, kommt auch nicht mit ins Bett. Anderer Kontinent namens Auslöser kranker Gedanken.

        Die Lösung ist natürlich nicht Anpassung, sondern Loslösung. Munch hat das 1898 in ein sehr treffendes gleichnamiges Bild gefasst. Und zeigt darin den Schmerz, den es immer birgt, immer wieder, zu lassen, was nicht will, nicht kann, nicht soll.

        Ich mag deine Gedanken. Sie „winden“ irgendwie in meinem Rücken Richtung vorwärts.

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  2. Schrei…

    und ich finde deine Worte sind keine Ergänzung, sondern die Füllung meiner Buchstabenlücken, vorwärts.

    Von Wortschubser zu Wortschubserin..chapeau!

    postskriptum: Kommt gut ohne ektromagnetische Wellen zum liegen…

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