Gestern am Rhein…Generation Selfie das Hirn weg gebotoxt

Kinder, Kinder, Kinder,

als wenn es in dieser voll von suboptimierten Ablaufroutinen der Pisakids nicht schon genug offene Baustellen gäbe, nein, es ist immer wieder ein erquickender Quell‘, wenn sich die Kollateralschäden näher und näher und näher bewegen.

Das ich tatsächlich einmal sprachlos vor erwachsenen Menschen steh‘, es schien zumindest so, hätte ich mit meiner großen Schnauze auch nicht gedacht.

Whats happening?

Wir hatten in unserem putzigen Rhinland die letzten beiden Tage großartiges Wetter und Samstag gab ich ’nen Fotoexkurs.

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und Sonntag ging ich mit ’ner guten Freundin Gevater Rhein einen Besuch abstatteten. Alles töfte, alles geschmeidig.

Dann allerdings erzeugte ich einen mächtigen modern fallout, einen peopleshot pauxfas. Ein erneuter Angriff auf mein Großhirn; eine wirklich schreckliche Begegnung der vierten Art, dem Selfie Monster.

Neben uns stand ein Pärchen mit Inlinern, die versuchten sich im GEGENLICHT  selbst zu fotografieren. Ich werde jetzt keinen Grundkurs zur Fotografie geben, aber gegen die tiefer stehende Sonne mit dem Objektiv einer Smartphonekamera zu fotografieren und dabei auf ein Panorama zu hoffen, ist exakt so sinnreich wie einem Spinosaurus zu erklären, dass die eigene Hand als Snack nicht zweckdienlich wäre. Es ist unmöglich.

Da ich noch die alte Gentleman Schule, nennen wir sie Eltern, besuchte, fragte ich höfflich ob ich helfen könne.

“Hey, soll ich von euch beiden ein Foto machen?“

Sie sagte, “Nein, danke“, er sagte, nichts. Sie sagte daraufhin (ich schummel nicht): “Dann wäre es ja kein Selfie“

…..

…..

Ist nicht so, dass ich im denken langsam bin, aber diese Aussage fand ich unfucking unbelievebale. Am liebsten hätte ich den beiden nur nachgerufen “Stop, wir wenden jetzt erstmal die hegelsche Dialektik an“. Zurück auf Start ihr Äffchen. These, Antithese, Synthese.

In Wahrheit, hab‘ jetzt kein Flüsterorgan, habe ich mich lauthals humoristisch weggeschossen. Meine Ungebung nahms zur Kenntnis.

Als mir allerdings meine Begleitung sagte, dass sie just am selbigen Morgen einem Kabarett Programm von Mittermaier folgte, spielte sie mir vor, dem exakt, dem Mittermaier, dass gleiche in Wien passierte, war ich wirklich bass erstaunt. Auch noch mit größerem Wahnsinn gepaart: 10 Mädels, Selfie, geht natürlich nicht, er bietet Hilfe an, eine so “Nein, dann ist es ja kein Selfie mehr“.

SEID IHR JETZT KOMPLETT DURCH!!

Wenn ich früher irgendwo in Buxtehude am Strand Stand. Palmen, smaragdgrünes Meer, Kokusnüsse, Schaukeln und ein nativer Buxtehude-Carib hätte mich gefragt, ob er von mir und von meiner Liebsten ein Bild machen dürfe, ich hätte ihn geknutscht, ohne Zunge.

“Dann ist es ja kein Selfie mehr“

Und ich bin so heilfroh, dass ich nicht fotografieren kann,

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sonst hätte ichs ja noch persönlich genommen.

Und in diesem Moment merkte ich, dass ich wahrscheinlich schon seit Jahren, seit Jahrtausenden, nicht mehr ‚come in and find out‘ bin und nur noch alt. Dass dieser gelebte narzisstische grendebile Wahnsinn mich nicht kleidet, auch nicht auf ‚Adam und Eva‘. Das ich mir von Herzen wünsche, Eingeborener eines kanibalistischen Papua Neuginea Stammes zu sein, der denkt wenn er auf einem Foto ist, seine Seele sei es auch und er dieses Foto samt Verursacher verspeist. “Ich bin kein Star, holt mich hier raus, von mir aus nur die Knochen“…. ….

“Verdammte Scheisse, warum kommt denn keiner??“

Und je mehr ich darüber nachdenke, was im Hirn dieser, die waren locker über 30, also über Candyshop Alter, Vollpfosten abgeh’n mag, je mehr erschließt sich mir die Erkenntnis, dass es höchstwahrscheinlich gar nicht um ein romantisch liebevolles gemeinsames Bild für Oma,Opa,Papa,Bruder,Tante oder Uroma im Blechsarg geht, es geht um Show.

Es geht um Ereignis, um awesome, overhelming, greatness, magnifick. Es geht um das Fegefeuer der Eitelkeit. Wären sie alleine unterwegs gewesen, sie hätten exakt an der gleichen Stelle auch den Hals verbogen, wie Vielflieger-Langhälse.

Der Boden der Selbstsucht und des Star Appeals ist noch längst nicht erreicht. Alles ist echt solange es scheisse aussieht, aber von eigener Hand geformt. Ein Leben am Rande der Zweckmäßigkeit. Alles schön, bunt, toll.

Gelernt hab ich defintiv. Falls ich irgendwann irgendwo an einer Klippe steh‘ und ich seh ein Pärchen welches sich self vieh t, werde ich aus Höflichkeit meine Dienste natürlich nicht mehr anbieten,

ich werde schubsen…

 

 

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