Euer Handy, mein Herz

Ich sitze hier und führe Gespräche, Gespräche die Zeit brauchen. Intensive Konversation, Traurigkeit, Fröhlichkeit, bewegende kleine große Dinge. Ich nehme mir Zeit, meine Zeit, gerne Zeit, weil mir der Moment wichtig ist.

Meinem Gegenüber geht es meistens augenscheinlich anders. Der Blick auf sein Smartphone, das klingeln, vibrieren, das studieren des schwarzen Bildschirms, der Leuchtdioden.

Er erklärt sich. Der Job, die Kinder, der Mann, der Hund, die Freundin, das wichtigere Gespräch, als ob es keine Zeit vor dieser Zeit gab.

Ich leide. Ich leide weil während ich mich öffne, sich der andere verschließt, in Datenströmen, in Nachrichten die allesamt gleich oder besserbedeutend sind als ich.

Ein Treffen ohne Handy? Unmöglich.

Nicht meine Welt. Ich leide sehr wohl. Es verletzt mich zu sehen, wie ich nicht gesehen werde und wie in einem intensiven Moment des Austauschs alles wichtiger erscheint, als meine, unsere Anwesenheit, auch wenn es nur ein unbedeutendes Video eines unlustigen Youtubestars ist.

Ich verstehe die Abhängigkeit, aber bitte zukünftig ohne mich.

Wenn ich dann aus dem Raster faste, dann soll es wohl so sein. Unbedeutendheit kann für einen selbst auch Freiheit bedeuten. Ich möchte kein Teil dieser Kultur sein, dafür bin ich mir zu schade und auch meine Zeit mit dir.

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