unterm Apfelbäumchen: die Schnecke, die Schnecke, die Blätter

Ein Schwarm Blätter zieht von da nach da. Hübsch bunt die Blätter. Rostig braun, vintage gelb, Jaguar grün. Ein Potpourri, eine Melange der Vielfältigkeit.

Sehe jetzt ein junges Mädchen hinter den Blättern herlaufen, während sie “verfickte scheisse, meine Kunstklausur“ ruft und versucht ihre Kunstklausur wieder einzufangen, vergeblich, da sich die losen Blätterenden der Kunstklausur in alle Himmelsrichtungen verteilen, bis auf Eines, welches sich zu meinen Füßen legt und dort liegen bleibt.

Überschrift: “Eine malerische Auseinandersetzung mit Theodor Storms “Schimmelreiter“; ich grinse und trete gleichzeitig auf das Blatt, welches nun davon fliegen wollte.

Das Geräusch unter dem Blatt klang nach einer zerbrochenen Eierschale.

Ich hebe das Blatt auf und stelle beim aufheben fest, dass es sich am Boden zäh festklebte und nun von einer Seite aussieht wie eine Mischung aus sämig plattgedrückter Nacktschnecke und Schneckenhausresten. Ein echter Schimmelreiter eben, halt in der dadaistischen Spartaner Interpretation.

“Sehr widerlich das ganze Dilemma“, sagt das junge Mädchen, welches nun neben mir steht und sich ihr, sagen wir, experimentelles Farbkontrastblatt anschaut.

Ich übelreiche das fremde Eigentum, sie überreicht es dem imaginären Papierkorb und weint, bitter, lange, sehr lange.

Bin überfordert mit der Situation. Umarme ich sie, bin ich entweder der böse Schokoladenonkel oder der gorontologen Sugardaddy. Umarme ich nicht, fülle ich nicht meine Karmaleiste für die 72 Jungfrauen im Himmel.

Bin mit der Überforderung überfordert und fühle mich fordernd aufgefordert, als ob sie eine Forderung einfordert, obwohl sie selbst überfordert nichts anfordernd fordert.

Nehme jetzt aus der Hosentasche einen Kassenzettel und möchte ihn aus Solidarität über eine andere Schnecke legen.

Das junge Mädchen schaut mich irritiert an und entfernt den Kassenzettel von ihrem Kopf, liest die Rückseite und findet mein Gedicht für Frau Dings, sie lacht.

Die Blätter ziehen von Da nach Da und manchmal sinds doch die kleinen Dinge, als ich aufstehe, gehe und unter meinem Schuh ein Eierschalenzerbersten vernehme.

 

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