unterm Apfelbäumchen:der Robinson Crusoe, die Barbie, das Flugzeug

An einem Donnerstag: Stecke mir meinen linken Zeigefinger in die Nase und suche nach Öl, finde kein Öl. Bohre jetzt tiefer, finde immer noch kein Öl. Denke mir, dass Sprichwörter nicht falsch liegen können. Strenge mich jetzt dreifach an und stecke den Finger noch tiefer in die Nase, ächze dabei und vergaß, dass alle Muskeln miteinander verbunden sind, auch Schließmuskeln.

Das junge Mädel, welches seit einer halben Stunde neben mir saß horchte kurz auf, drehte dann an ihren Hörgeräten und las weiter ihr Buch. Schaue jetzt auf den Klappenumschlag, während ein Flatulenztiefdruckgebiet Richtung Zebrastreifen zieht.

Das Buch heißt: „Schließmuskelprohylaxe für best Ager, Buch II“.

Witz, dort stand „The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe of York, Mariner: Who lived Eight and Twenty Years, all alone in an un-inhabited Island on the Coast of America, near the Mouth of the Great River of Oroonoque; Having been cast on Shore by Shipwreck, wherein all the Men perished but himself.“, Daniel Dafoe.

Überlege, ob die heutige Jugend schon beim Klappentext durch die Menge an verschiedenen Buchstaben überfordert wäre. Aber mal ehrlich, so viele Informationen in der Überschrift können ja auch schon mal verstörend wirken. Da war sogar ein y dabei und ein q welches vor einem u steht. Schon für Profis…

Kenne nur die Hörbücher über Crusoe, las jedoch nie das Buch. Ich mag Abenteuergeschichten sehr. Schreie jetzt das junge Mädchen neben mir an. Sie liest beharrlich in ihrem Buch weiter. Hörgeräte sind was feines denke ich, als ich ein quengelndes Kind mit folgenden Worten „Ich will nicht Ken, ICH WILL DIE BAAAAAAARBBBIIIIEEEEE. MUÄHHHHHHHHHHHH. BAAAAAAAAARBBBBIEEEEEEE. MUÄHHHHHHHHHHHHHHHHHHH BARBIEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEE“ mit Blicken verfolge.

Schaue jetzt dem ca. 16jährigen Jungen ins Gesicht und erblicke die Tätowierung einer Knastträne, war nur ein Muttermal.

Die Mutter, mal resignierend, mal kreischend, zieht ihren Coming of age Teenager hinter sich her. „Die Eltern von heute, sollen doch froh sein wenn er ne Barbie will und kein Pornoheft“, denke ich mir und sage es auch.

Die Mutter schaut mich degeneriert an, das junge Mädel nicht, welches in aller Seelenruhe ihr Buch weiterliest. Die Helicoptermutter geht nun in Richtung Tiefdruckflatulenz und ihr Sprößling tappert hinterher. Eben noch im Trendtransgendermodus, jetzt wieder Bartpflaume; Leben ist kein Ponyhof.

Sehe über mir ein Flugzeug, welches an einer Kordel ein Banner hinterherzieht. Aufschrift: „Autohaus Götrimski-Becker, 50jähriges Jubiläum, Live Musik von DJ Bernd und Bratwürste, 20 Prozent auf Alles außer Tiernahrung“.

Das junge Mädchen neben mir schaut nun gesunkenversunken auf den Boden und klappt ihr Buch zu. Nimmt die Ohrgeräte raus, aus denen jetzt Rihanna tönt, schaut zu mir und sagt „Danke für die Unterhaltung“, während sie den Tatort der Schande verläßt.

Frage mich nun, ob Daniel Dafoe eventuell Robinson’s Freitag gegen einen Donnerstag tauschen könnte.

Schliesse meine Augen und atme tief ein. Denke am Donnerstag an Freitag.

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