unterm Apfelbäumchen:das Blut, der Tote, das neue Jahr

Neues Jahr, neues Glück denke ich, als der Leichenwagen den Rentner verstaut, der bis eben noch neben mir auf der Parkbank saß.

Verschluckt an seinen dritten Zähnen, lautete meine Diagnostik, ausgelöst durch das Bellen des Hundes von Frau Dings, weil whasuzigi der vierbeinigen Kartoffel ein Stück koscheres Schlangenlederimitat vor die Fresse feuerte.

Was ein Rudelbums. Nach so einem Nachmittag brauch ich erst mal ne Pause und schließe mein OpenAir Pfandhaus für Neger, Todgeweihte, Köter und Leichen.

Murrend schleicht sich der Leichenwagen zum Zebrastreifen, während der Fahrer „Ein bisschen Spaß muss sein“ von Roberto Blanko intoniert.

Bevor der Rentner mit Schaum vor dem Mund starb, flachste ich noch: „Ahoibrause in blau?, auch mein Fav.“ Aber besser so, als in der Irrenanstalt des Rentnerzentralarbeitsamtes zu Tode ans Bett gefesselt zu werden, während dir der schwule Pfleger mit breitem Grinsen den Arsch abwischt.

Ruhe….

Alle weg. Whasuzigi ging mit Frau Dings und Hund in Richtung Philateliegeschäft und Leichenwagen. Schönes Paar, denke ich, während mir das Buch „Er ist wieder da“ in den Sinn kommt.

Kleine Kinder spielen nun hinter meiner Parkbank fangen, also nicht Parkbank fangen, gibt ja nur meine, sondern Parkbank, fangen. Klar gibt natürlich mehrere, aber jetzt nicht hinter meiner Parkbank. Ist ja auch nicht meine, sondern meine Parkbank, dahinter. Also hinter der Parkbank auf der ich sitze, spielen die fangen.

Eines der Kinder weint. Habe Mitleid und gehe jetzt in Richtung Philateliegeschäft, nur um den Fahrer streng zu ermahnen, auf jeglichen musikalischen Blanco Spaß nach dem Ableben zu verzichten. Frau Dings und Whasuzigi nicken mir vom Zebrastreifen unterstützend zu, Farbe passt.

An meiner Parkbank wieder angekommen, Fensterscheibe des Leichenwagens war oben, konnte also beim besten Willen nicht bürgerpflichtgetreu einschreiten, war das heulen des  Kindes in ein renitentes Schreien transformiert. Keine Eltern in der Nähe.

Frage mich wieso Kinder immer so weinerlich sind. An den wütenden Tritten gegen Kopf, Magen und Geschlechtsmerkmalen kann es ja beim besten Fall nicht liegen. Denke an Dutschke und Hannah Arendt, einfach mal laufen lassen, auch wenn sie sich mit 16 noch einnässen. Erst so lernt man fürs Leben resümiere ich, als sich eine Blutfontäne mit dem zarten Pink meiner Parkbank mischt.

Lehne mich nun genüsslich zurück und rauche eine imaginäre Zigarette, während am Himmel eine Cirruswolke meinem demokratischen Verständnis nickend zustimmt.

 

 

 

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