unterm Apfelbäumchen:das Karma, der Nazi, der Blinde, die Kuh

Gerade noch davon gekommen denke ich, als der Hund von Frau Dings rechts vom Zebrastreifen abbog. Ich wollte heute niemanden sehen, bin in keiner guten Stimmung. „Die Menschen machen mir das Leben schwer“, sagt die junge Frau neben mir auf der Parkbank.

„Sie sucht Ihn mit gründlichem Feger, festem Griff und scharfem  Blick“, las sie aus dem Kleinanzeigenteil der Tagespresse vor. „Was sind das für Zeiten, wo man so etwas in eine Kleinanzeige setzt, schämen sich die Menschen denn gar nicht mehr?“ fragt sie mich ohne mich zu fragen ob ich gefragt werden möchte. Manchmal denke ich, die sehen um mich herum ein -imaginäres Empfangshäusschen der Seelsorge/ Abteilung Arschlöcher-, was 24/7 geöffnet ist.

„Ganz ehrlich, was soll gegen eine gründliche männliche Reinigungskraft sprechen…“ antworte ich so beiläufig wie der Blick auf eine sich drehende Waschmaschinentrommel ohne Inhalt. Die Dame steht jetzt sehr unentspannt auf und hält mir die Kleinanzeige unter die Nase, also direkt drunter. „Wollen Sie mich verarschen, DAS STEHT BEI PARTNERSUCHE“ schreit sie mir nun Mega hysterisch in mein rechtes Ohr.

Ich hatte vorher noch nie eine Nase brechen gehört. Es ist ein sehr unangenehmes Geräusch, was wie das zerteilen eines Stockes mit Muskelkraft klingt.

Ich mein, es ist schon extrem asozial, einem Jogger einen Stock zwischen die Beine zu werfen und sehr feige, sich von einer MEGA hysterische Frau grundlos anschreien zu lassen, während sie dir die Zeitungsdruckerschwärze unter die Nase hält. Aber dann, völlig grundlos, einem älteren Mann mit Blindenbinde, der nach dem Weg fragt, bis zum Zebrastreifen begleitend, „Los“ zuzurufen…

Ich weiß jetzt auch nicht mehr genau ob es überhaupt die Nase war die brach. Der ältere Herr landete dann doch 9 Meter in Richtung Philateliegeschäft, zwischen Bordsteinkante, Eingang und Asphalt, ein Stück weit komisch verdreht. Gibt Abzug in der B-Note. „Wenig Blut“, dachte ich voller Bewunderung, als der Rettungssanitäter die künstliche Beatmung einleitete…

Wasn anstrengender Tag mal wieder. Schaue in den Himmel. Kein Blitz, kein Donner und keine Karmavergeltung. „Gott mag mich einfach“ dachte ich verzückt, als sich der Mastiff von der Leine des Springerstiefels losriss und in Richtung Parkbank wetzte.

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