Unterm Apfelbäumchen: der Krieg, der Held, die Fickerei

Als der Polizeihubschrauber das Gelände verließ und die Feuerwehr sich gegen das Feuer nicht mehr wehren musste, schaltete Kamera 3 auf den Helden des Dramas, welcher neben dem Krater stand, den 12 zerstörten Autos und ihren vor sich hin verkokelten lebenden Insassen.

Über der Stadt schwebte ein pittoresker Feinstaubdunst aus Epidermis-, Autolack- und Polyacrylteilchen. Der Moderator von Sat 4 hielt unserem Helden der neben einer pinken Parkbank stand, ein Stabmikrofon unter die Nase und fragte mit tief bewegter klerikal heuchlerischer Stimme. „Sagen sie mir bitte, wie zum Herrgott, konnte dies alles geschehen…“

Eigentlich startete der Tag wie jeder Tag von jedem Tag. Sonne ging auf. Hunde fraßen Löschpapierblätter im Park und kotzten Tinte. Ein Streifenhörnchen weinte um seine verstorbenen Verwandten. Der Besitzer des Briefmarkengeschäfts öffnete seine Tür und klebte einen Schriftzug mit „Neue Lupen, verbesserte Brennweite, auch gegen Ameisennester verwendbar“ auf seine Fensterfront. Frau Dings grüßte und ihr Hund schiss einen Kackhaufen neben die Löschpapiertintenstrahlkotze.

Whasuzigi schlug mir im vorbeigehen auf den Rücken, machte dabei stabile Ghettofaust und sagte „Ehrenmann, isch schawör“. Der kleine dicke Junge ging in den Briefmarkenladen und kaufte sich eine neue Lupe für den Ameisengenozid, alles wie immer.

Ein Nordischwalker keuschte nun langsam an mir vorbei, ich saß aufrecht und warf ihm einen Stock zwischen die Beine; er zerberstete ihn mit der Unterschenkelmuskulaturkraft eines Markus Rühl. Eine Hälfte des Stocks flog links an meinen Augen vorbei und traf den Rasenmähermann (FilmfreundeInsider) ins rechte Auge. Er schrie und alle nebenstehenden Hunde stimmten mit ein.

Der Rasenmäher hatte keine manuelle Abschaltung und mähte den Rasen autonom stoisch weiter in Richtung Zebrastreifen.

Ich wollte jetzt weniger „Ein Zombie hing am Glockenseil“ sondern mehr Bildung. Jemand vergaß die Tageszeitung von gestern und ich las den Leitartikel über die heutige Bombenentschärfung in der Innenstadt.

Das Bild zeigte eine Aerosolbombe des 2ten Weltkriegs, Marke „Ich ficke deine Mutter hart in den Arsch“. So wie Pacman, Blinky, Pinky, Inky und Clyde in Personalunion, die alle gelben Punkte des Planeten auffrassen und dann noch alle blauen Pillen als Digestif; grüße an alle notgeilen Rentner.

Legte die Zeitung nach 10 Sekunden beiseite und suchte den Rasenmäher im Autopilotmodus. Der war weg. War beruhigt und sah nur noch den Rasenmähermann, aus einem Auge in Fontänen blutend und schreiend über die Wiese taumelnd und im Handgepäck 2 Hunde, die sein Bein #me too‘ten.

Bizarre Szene aber lustig. Von links näherte sich der kleine dicke Junge mit der neuen Brennstoffzelllupe der augenscheinlich kurzsichtig war oder Antman mit Ameisen verwechselte. Ein Irrenhaus.

Nahm die Tagesgazette wieder zur Hand und las weiter: „blablabla…Bombenentschärfung kann nicht vor Ort durchgeführt werden. Abtransport um…“, gerade hörte ich die Kirchenglocke 12mal schlagen, „…Abtransport um 11.30 Uhr. Bombenentschärfung durch die Sprengmeister Krause und Peters auf dem ehemaligen Natogelände der Alliierten. Weiträumige Evakuierung von 4 Kilometern um das Epizentrum…“.

Und dann standen da noch Details die so interessant waren, wie ein Hund der einem Halblinden das Bein abvögelt, was jedoch den Rasenmäher nicht davon abhielt über den Zebrastreifen zu gleiten und dem Zebra einen Undercut verpassen zu wollen, mißlang. Es gab ein Hupen und ein Kläffen, ein Zerbersten und etwas, was sich wie zwischen frisch verliebt und dem Tod anfühlte.

Als ich aus der Bewußtlosigkeit erwachte war es dunkel. Überall brannte es und ich hörte Schmerzenschreie.

Erste Erkenntnis: Die Kirchenuhr sollte neu justiert werden.

Zweite Erkenntnis: Der Autopilot des Rasenmähers ist höchstwahrscheinlich ein Protoyp von Elon Musk bevor er Tesla erfand.

Ich ging zum Zebrastreifen, also dass was übrig war. Neben mir lief ein Einäugiger brennender Rasenmähermann an dessen Beinen 2 Fleischklumpen hingen. Ich zeigte Zivilcourage und warf ihm ein Stöckchen zwischen die Beine, nein Spaß. Ich nahm ihn in den Arm und tröstete sein noch gutes Auge.

Okay, jemand der Verbrennungen dritten Grades hat, findet körperliche Nähe jetzt eventuell suboptimal und deshalb verzieh ich ihm auch sein Geschrei und die Wut, bevor ihn der erste Polizeiwagen abführte und ich „er war‘s“ sagte, nachdem ich mit dem Zeigerfinger auf die Fleischklumpen zeigte, die wie ein Bombengürtel aussahen. „Mashallah!!“

Die Stadt wollte einen Helden und mein Körper war bereit. Es gab viele Interviewanfragen. Dieses ganze Gewese um meine Person war schon klar übertrieben aber selbstverständlich vollkommen berechtigt. Ohne mich hätte die Bildzeitung weder einen Helden, einen Leitartikel und auch keinen üblichen bösen ISIS/IS/Al Qaida/Taliban Terroristen, der mit seinem Bombengürtel verbrannte, bevor er die Innenstadt einer Kleinstadt auslöschte. Die Kollateralschäden waren überschaubar und mit einem Auge klar zu sehen, wuff.

Die Wolken zogen weiter und am Himmel sah ich Pol Pot, Stalin, Hitler, Talat Pasha, Trump, Die Flippers, Hussein und Kim Jong Il, wie sie mir die Ghettofaust geben und „stabiler Ehrenmann“ anstimmen.

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