Angst vor der neuen Liebe, (d)eine Dokumentation

Das Leben ist zuweilen ein fucking ungerechter Film, dessen Rechte du nicht besitzt und auch nicht Freigabe erteiltest, aber er wurde gedreht und abgelichtet.

Er zeigt dir Risse und Enttäuschungen. Verletzungen und Verzicht.

Es ist deine Doku und du wirst keine Chance haben, davon eine Special Edition oder eine Extendent Version nachträglich zu drehen. Du kannst nichts rausschneiden oder ersetzen. Dort mehr Liebe oder Treue. Ein bisschen mehr Blümchen oder die Aussicht aufs Meer.

Der elegante Traumprinz mit dem Verständnis eines guten Freundes und der Triebkraft eines Pornodarstellers ist Fiktion.

Zuweilen schaust du aus dem Fenster und siehst nur Asche und Beton. Zweifelst selten an Dir, mehr an den Anderen.

Du bist leicht, deine Füße jedoch unendlich schwer. Du weinst dicke Felsbrocken die dich unter sich begraben und denen du schutzlos ausgeliefert bist, weil jemand nicht deinen halben sondern den ganzen Mantel stahl.

Du wünschtest Rosamunde Pilcher und bekamst Jack Ketchum.

Fragst dich wieso und vertrödelst damit deine Zeit des „Opfer seins“. Irgendwann ist es deine Ausrede, dass es eh nicht besser wird und du deshalb nicht versuchst einen zweiten Teil zu drehen. Selbstgefällig sonnst du dich in der Rolle des Betrogenen, was nur die Angst vor dem Schritt ins Licht widerspiegelt, weil jedes andere Arschloch da draußen die Rolle in der Doku genauso abgeliefert hätte.

Überdies vergisst du deine Täterrolle, die zuweilen deiner Vorstellung der Geschehnisse nicht entspricht. Du hattest, denkst du, keine Hauptrolle in deiner Geschichte, sondern warst nur der Erfüllungsgehilfe mit Stockholm-Syndrom.

Du hast die Schnauze voll, zuweilen zu Recht, aber anstatt sich neue Wege mit den Pflastersteintränen zu bauen, klammerst du dich an das Altgewohnte.

Ein bekanntes Gefängnis ist immer leichter zu ertragen, als die unbekannte Freiheit.

Du legst deine Doku immer und immer wieder in das Abspielgerät und zeigst mit dem Finger auf die Verletzungen. Knibbelst selbst zugewachsene Wunden wieder auf, um überhaupt etwas zu spüren, was sich nach Liebe oder Hass anfühlt. Du sehnst dich nach tiefer unstillbarer Liebe aber betreibst Autoaggression mit der Hoffnung nach Glück.

Die Nähe nach Zuneigung ist unendlich, die Distanz auch.

Verbrenne die alte Aufzeichnung und drehe eine neue Doku. Lass zu, dass es heilt, auch wenn die Narbe dich immer wieder erinnert, was war und wahr war.

Das Leben ist nichts für Amateure, aber nur durch tiefe Täler lernst du Bergsteigen, auch wenn es noch so anstrengend ist. Der Blick vom Horizont in dein eigenes altbekanntes Tal ist es wert, da es von oben nicht mehr attraktiv oder selbstbestimmt wirkt. Es ist eine Tragödie ohne Happy End der Vergangenheit, die nicht mehr wiederkommt, außer du willst es.

Glaube an dich!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.