Debattierclub: Die Gedanken sind frei – Demokratie?

Voltaire wird folgendes Zitat nachgesagt:

Ich missbillige, was du sagst, aber würde bis auf
den Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen.

Höchstwahrscheinlich war es eher Evelyn Beatrice Hall die dies sagte, aber dies spielt keine Rolle.

Eine Rolle spielt das demokratische Grundrecht zu sagen was man denkt, ohne eine sofortige Sanktion durch den Staat zu erleben. Das unterscheidet Demokratien von totalitären Systemen unter Despoten.

Diktaturen die eine Sprachkonformität wünschen und Personen die das herrschende System hinterfragen oder in Frage stellen oder abwerten werden sanktioniert, im schlimmsten Fall mit Köpfung, Steinigung, Todesspritze oder Galgenmännchen.

All dies steht im Widerspruch zu einem Rechtsstaat der zwar Pflichten aber auch Rechte vorgibt.

Der Grund dieses Themas, ich versuchte einen Debattierclub (Streitclub) in meiner geografischen Nähe zu finden mit der naiven romantisierten Vorstellung eines „Club der toten Dichter“. Eine Rebellion des Geistes, auf Augenhöhe seines Gegenübers aber ohne Maulkorb.

Denkblockaden, Denkschranken, Verbote sind unerwünscht, außer sie sind in asozialer Sprache verfasst. Wie man sich vorstellen kann, sind solche Institutionen oder Organisationen fast nicht vorhanden oder durch Unternehmen protegiert (Universitäten). Da dreht man sich dann im eigenen Saft der Eitelkeiten mit coming of Age teens, no thanks.

In Hamburg, nur schlappe 500 Kilometer entfernt, gäbe es einen Club und die Themenvielfalt ließe tatsächlich auf phantasievolle Gespräche schließen. Sehr wohl ist Hamburg jederzeit eine Reise wert, aber nicht für eine zweistündige Abendveranstaltung, solange ich keinen Learjet besitze.

In meiner Stadt ist Schützenwesen, da brauchen die wenigsten eine Plattform für kreative Gedankenexperimente. Hier ist Hopfen und Malz schon seit Karl dem Kühnen verloren, obwohl er seine Schlacht vor unseren Toren nicht gewann.

Warum ich nach einer Plattform im echten Leben mit echten Menschen strebe?

Weil es im Internet nicht im Ansatz möglich ist, eine Diskurs mit jemandem zu führen, der eine gegensätzliche Meinung hat. Die fehlende Synapsenentwicklung des Gegenübers, Altersstarrsinn (schon mit 20 Jahren), macht jedes Gespräch obsolet.

Das Gegenüber wertet ab, beschimpft oder entzieht sich des Dialogs wenn er merkt, dass er als Troll/Dampfplauderer/Dummkopf enttarnt wurde.

Dieses asoziale Verhalten wird immer pandemischer, so dass es, meiner Erfahrung der letzten Monate nach unmöglich erscheint, ein simples Gespräch respektvoll zu führen und zu beenden.

Noch schlimmer ist dabei die fehlende Reflektion, das Leseverständnis, -fähigkeit, die Grammatik. Dies führt dann zu einem Geschwurbel an Sätzen die man, ohne Abwertung, eher zu einem geistig Behinderten verortet, als zu Jemandem mit kognitiver Gesundheit.

In einem Fall, teilte ich einen Text der durch seinen Inhalt klar als Sarkasmus erkennbar war, auf der Seite von Herrn Todenhöfer „Thema: Jemen, tote Kinder, Saudi Arabien“. Zwischen „Stirb du Bastard“, „Ich ficke deine Hurenmutter du Hurensohn“, „Wir fahren den mal besuchen“ gabs noch genug andere Unverschämtheiten, die ich sofort zur Anzeige hätte bringen können.

Leider ist Teil der Wahrheit, dass die dümmsten Kommentare mit dem asozialsten Inhalt von zukünftigen Quantenphysikern kamen, die höchstwahrscheinlich noch auf ihre Arbeitspapiere warten, zurück nach Guantanamo.

„Fragte meine Hurenmutter übrigens ob sie gefickt werden wollte, das orthografische Knicklicht war ihr jedoch zu schäbich.“

In einem Land zu leben, wo die Vielzahl an Menschen noch nicht mal mehr einen Satz schreiben können, geschweige denken, ist mein größter Horrorstreifen. Wenn man wirklich wissen will, was dass heutige Schulsystem leistet, braucht man nur auf die Handyzombies zu schauen, die mit leerem Blick über rote Ampeln laufen und dauernd darauf warten, irgendeine Beulenpest auf Tinder oder Snapchat oder Insta oder Facebook zu liken.

Aus der autonomen Aktivität wurde eine ganze Generation, die anderen dabei zusehen wie sie anderen dabei zusehen, wie sie ihr Leben leben und dies dann als eigenes Leben leben verstehen und verkaufen. Sklaven ohne Halsband.

Das Menschsein, vollkommen isoliert und abstrahiert von denken, fühlen, riechen, hören ohne Souffleur.

Einen Debattierclub in der Nähe fand ich nicht, was mich nicht zwangsläufig verwunderte, da es heutzutage unfassbar schwer ist jemand zu treffen, der auch noch ohne Krücken und Ablenkungsmanöver einem simplen Gespräch folgen kann, dann noch aktiv eine Frage stellt und darüber diskutieren möchte. Ein Träumchen….

Dieser simple Ablauf ist für die meisten Menschen schon eine unüberwindbare Mauer, da sie nur noch gewohnt sind Inhalte herunterzuwürgen und diese nicht auf Haltbarkeitsdatum oder Bissfestigkeit prüfen.

Hashtag: Brave new world, du Hurensohn

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