Wie zum Teufel werden wir endlich glücklich?

Gestern beantwortete ich eine Frage auf Quora.

Sie lautete:

Dies ist keine Phrase, es ist meine Wahrnehmung und Entscheidung. Darüberhinaus bin ich der festen Überzeugung, dass man glücklicher wird, wenn man selbst fühlte was Unglück ist und nicht wenn man Unglück nur vermeiden möchte.

Als Beispiel hatte ich schon diverse, wie mehrfach erwähnt, Erkrankungen, die mein Leben vollumfänglich beeinträchtigen und fast töteten. Wenn man also mit sehr jungen Jahren weiß, dass du eventuell morgen nicht mehr lebst, hat dies Einfluss auf die Definition von Glück. Aufgrund dessen reiste ich auch ab 20 Jahre für über 10 Jahre um die Welt.

Ein Beispiel meines aktuellen sehr bescheidenen Lebens:

Ich freue mich mit 51 Jahren immer noch täglich wie Bolle, eine neue Flasche eines neuen Getränks zu öffnen. Demut. Da ich mindestens 3 Liter täglich zu mir nehme (keine Kalorien), bin ich also mindestens 2mal am Tag glücklich. Also über 700mal im Jahr.

Natürlich ist dies nicht die Form des Glücks, wie wenn ich einen Tag am Meer (Niederlande – 2.5 Autostunden) verbringe. Den Wind spüre, die Sonne, das Wasser, die Brandung höre. Auch nicht, wie wenn es donnert und blitzt, es schneit oder wie ein Weltuntergang regnet. Ich besitze einen Schirm, sogar mehrere, benutze ich nie. Ich werde bewußt nass, ist ja keine Salzsäure. Ich mag Wetter.

Natürlich auch nicht so doll, wie wenn ich mir über 1 Jahr ne Kamera zusammenspare oder tatsächlich ein Videospiel für Teuergeld zulege. Aber dies sind seltene Ausgaben. Sie sind zumeist, über 100,- Euro, zweckgebunden.

Gerne hätte ich z.B. Lust auf nen Sternenzerstörer von Lego mit 7500 Teilen, aber dies ist keine Budgetoption und dann bleibt es im Regal des Kaufhauses. Alles was Unglück produzieren wird: Schulden, Kredite, Süchte, Abhängigkeiten vermeide ich zu 100%. Ich bin erwachsen und der Erde (Sarg) näher als dem Leben.

Und zufälligerweise sah ich im selben Kontext eben, vielleicht auch instinktiv ausgewählt, den wunderbaren Film „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ adaptiert von Francois Lelords Buchvorlage.

Ein Satz war brillant, welchen ich auf andere Aussagen kopierte, er lautete:

„Unglück vermeiden ist nicht der Weg zum Glück“

Und da dachte ich, wie passend bei:

„Angst vermeiden ist nicht der Weg zum Selbstwert“

„Untreue vermeiden ist nicht der Weg zur Treue“

„Einsamkeit vermeiden ist nicht der Weg in eine zivile Gesellschaft“

„Egoismus vermeiden ist nicht nicht der Weg zum Humanismus“

„Feigheit vermeiden ist nicht der Weg zu Mut“

Wie ich gestern erwähnte, lähmt uns unbekanntes, Angst. Die Suche hin zum Glück, wer sucht hat Defizite, kann also nicht die Suche an sich sein, sondern das finden selbigen Zustands im Leben durch Erfahrungswerte.

Nur unsere Interaktion mit Gegebenheiten bringt uns weiter zur eigenen Definition (was jeder für sich braucht um glücklich zu sein oder zu werden) des Glücks. Nie werden wir es aufgrund Tauschgeschäften schaffen, Glück als Ware zu veräußern oder käuflich zu erwerben. Glück ist ein Verlustgeschäft, möchten wir bewussten Gewinn erzielen.

Sehr wohl können kurzfristige Glücksmomente durch Wertgegenstände erzeugt werden, aber wie lange hält dies? und wieviel Unglück (Karriere) muß man ertragen, um sich dieses Glück leisten zu können?

Wieviel Zeit muss man erst investieren, außerhalb der Suche nach seinem persönlichen Glückskompass, bis man diesen durch einen Luxusgegenstand ersetzen kann?

Und wie kann uns etwas glücklich machen wenn es nur funktioniert, wenn andere deshalb unglücklich werden? (Kleidung – Indien, Palmöl – Südamerika/Indien, Handys – Seltene Erden, Kobalt – Afrika und Lithium – Zentralamerika). Können wir glücklich sein, wenn dies alles auf Kinderarbeit fußt und auf Raubbau, Zerstörung der Erde?

Ich spekulierte mal an der Börse mit 20K und jeden Tag lief der NTV Börsenticker. Ich war süchtig nach Deals und Aktiengeschäften, Fonds, Neuemissionen und Optionsscheinen. 24/7 Geld. Was für verlorene Jahre und wieviel verbranntes Geld, vor dem Nemaxblasen-Aktiencrash. Jedoch lernen wir durchs gelebte Leben und vielleicht war es gar nicht verloren, meine Zeit, weil ich ab da wußte was ich nich will.

Ich sehe täglich Menschen dem Geld und der Schönheit wie dem goldenen Kalb hinterherlaufen und es geht doch nur um Akzeptanz und Liebe. Jeder zärtliche Kuss auf die Stirn, jede Umarmung und jede liebevolle Geste ist so viel mehr wert und erfüllender. Wir verlernten was uns als Kind glücklich machte.

ehrliche Anerkennung – selbstlose Liebe – Umsorgt werden – aufrichtige Komplimente

Mensch wünschen sich Geborgenheit und verkleiden sich mit Status der andere dazu bringt frustriert oder eifersüchtig zu werden was wiederum andere dazu bringt enttäuscht zu sein oder sich lächerlich über die zu machen, die sich darüber definieren.

Insta 2020 –

#meinGottsiehstdufür120Jahrejungaus

#dieseSchuhe,göttlich

Überlege gerade was der Säbelzahntiger im Pleistozän dazu gesagt hätte, wenn unser 120jähriges Botoxmonster in Louboutins durch den Regenwald gestolpert wärˋ:

“Ach Gottchen ist die schön und erst diese Schuhe, die fress ich bestimmt nicht“

Schaut „Das Dschungelcamp 2020“. Dies, ist von uns übriggeblieben. Ein Häufchen Elend der Fremdscham-Selbstvermarktung durch Fremdbestimmung. Made in Absurdistan. Keine Peinlichkeit ist peinlich genug.

Möchtet ihr, so enden?

Oder doch lieber, so, leben?

 

 

2 Gedanken zu “Wie zum Teufel werden wir endlich glücklich?

  1. Viel Weisheit. (und wieder Parallelen bis hin zum Börsen-Engagement in puncto Zeitpunkt, Investitionsvolumen und v.a. Fazit)…
    Du bist da schon weiter – ich bin eher noch der Vermeider von Unglück (inneres und äußeres Exil) um dadurch relatives Glück zu erhoffen (klappt nicht, ich surfe nur neutral auf der Nulllinie). Schicksal des zynischen Nihilisten.
    Du machst jedenfalls viel richtig. Grüße!

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.